Tagung 2015 - Speakers


Judith Beyer, Universität Konstanz
  Kochen auf dem Friedhof. Strategien urbaner Präsenz bei Shiiten in Yangon

Abstract

Ausgehend von der Beobachtung, dass im öffentlichen städtischen Raum kulturelle Diversität gezielt aufgeführt wird, untersuche ich in meinem Vortrag die Herstellung von Öffentlichkeit und Privatheit am Beispiel der schiitischen Gemeinde Yangons. Über diese ist jenseits des jährlichen ashura-Rituals wenig bekannt. Dies ist zum einen das Ergebnis strategischen Handelns einzelner Gemeindemitglieder, zum anderen Konsequenz des marginalisierten Status von Muslimen in Myanmar allgemein.
Der Vortrag analysiert ethnographisches Datenmaterial aus meiner sechsmonatigen Feldforschung im Jahr 2013 anhand der Fragestellung, inwiefern religiöse Minderheiten wie die Schiiten eine kosmo-politische (cosmopolitical) urbane Identität pflegen, deren Schwerpunkt auf der Kultivierung kultureller Differenzierung innerhalb des postkolonialen Staates liegt.



Delphine Desoutter, Sorbonne Nouvelle (Paris) Universität
 Von Terrakottatafeln bis zu bronzenen Stempeln: Einführung in eine buddhistische Praxis.

Abstract

Die Herstellung von Terrakottatafeln mit einem buddhistischen Bild und manchmal auch einer Inschrift ist in den frühesten Städten von heutigem Myanmar belegt. Diese Objekte sind Teil der materiellen Kultur der Pyu, Mon, Bamar und der Arakanesen. Einerseits sind die vielfältigen Bilder und ihre Einzelheiten für die Kunstgeschichte wichtig. Andererseits spiegeln sie eine langfristige religiöse Praxis wider: je mehr Bilder mit einem Stempel kreiert werden, desto mehr Verdienst wird gesammelt.
Die Stempel wurden aus Terrakotta oder aus einer Kupferlegierung gefertigt. Unsere Forschung zeigt, dass eine beschränkte Gruppe von bronzenen Stempeln aus Myanmar stammt. Das erstmalige Studium sowohl der Vorderseite als auch der Rückseite führt zu neuen Erkenntnissen: Zustand des Stempels und Gebrauchsspuren, Art des Griffs. Der Vergleich mit zwei anderen bronzenen Gruppen, nämlich aus Indonesien, und aus Thailand und Kambodscha, weist auf Verbindungen hin, wie auch auf verschiedenen Verwendungen.
Die buddhistische Entwicklung dieser Praxis wird nach bestem Wissen datiert. Offensichtlich wurden Bronzenen- sowie Terrakottastempel länger in Myanmar produziert und gebraucht. Dürften wir so weit gehen zu behaupten, dass Myanmar diese Praxis nach Osten und in den Süden weitergegeben hat?



Jella Fink, TU Dortmund
 Textilien als kulturelles Erbe Myanmars

Abstract

Das Forschungsvorhaben geht von Textilien als Teil der materiellen Kultur Myanmars aus und erörtert mit Hilfe noch zu gewinnender Erkenntnisse drei zentrale Themenbereiche: Erstens die zeitgenössische Textilkultur- und handwerkliche Produktion. Um dieses komplexe Feld möglichst weitreichend beleuchten zu können, werden zwei Fallstudien in Sagaing und in Kyaing Tong durchgeführt werden. Zum einen sollen hier klassische ethnografische Methoden angewandt werden (Teilnehmende Beobachtung, Strukturierte Gespräche, Audio-visuelle Dokumentation), sowie unter Einsatz digitaler Technologien neue Ansätze geschaffen werden (Mobiler Drucker für Ad hoc Nutzung in Gesprächen, Blog als Dialogplattform mit Studenten der Mandalay University).
Zweitens werden der Wissenstransfer und die Wissensbewahrung auf verschiedenen Ebenen (intergenerational, Genderspezifisch, regional und national) untersucht, um das Konzept "Kulturelles Erbe" und seine Bedeutung für Myanmar ebenso wie für den internationalen Kontext zu hinterfragen. Dabei wird auch analysiert, welche Räume sich den unterschiedlichen Akteuren bieten, um textiles Wissen zu sammeln und weiterzugeben (bspw. in Form von Institutionen wie Museen und persönlicher Sammlungen).
Drittens werden interne Faktoren (politisch-ideologischer Wandel und dessen sozio-ökonomische Konsequenzen; institutioneller und individueller Umgang mit textilem Kulturerbe) und externe Faktoren (Globalisierung, Tourismus) untersucht, die das Verhalten der Akteure im textilen Produktionsbereich beeinflussen. Globalisierung und Tourismus zeichnen sich hier auch in der handwerklichen Textilproduktion ab und bedürfen einer genaueren Analyse. Myanmar als föderalistischer Staat mit über 135 ethnischen Gruppen bildet zudem auch einen Hintergrund vor dem Fragen der Zugehörigkeit und Konfliktsituationen ausgetragen werden. Auf welche Art sich dies in der materiellen Welt der Textilien manifestiert, ist eine weitere Frage, der sich diese Studie widmen wird. Ziel der Fallstudien ist es, die Grundlagenforschung zu Myanmar zu ergänzen, und zur Vertiefung der Diskussion um das Konzept „Kulturelles Erbe“ im asiatischen Kontext beizutragen. Insbesondere die Peripherien sollen Beachtung finden und die bestehenden Kenntnisse der urbanen Regionen ergänzen.



Tilmann Frasch, Manchester Metropolitan University
 Pali in Bagan: Die lingua franca der buddhistischen Ökumene

Abstract

Bagan, für mehr als 250 Jahre Hauptstadt eines Reiches, das sich ungefähr mit dem heutigen Myanmar deckte, war in verschiedener Hinsicht ein bemerkenswerter Ort. Mehr als 2500 religiöse Bauwerke, zumeist buddhistische Tempel, Stupas und Klöster, zeugen noch heute von der einstigen Größe und Bedeutung der Stadt und der Frömmigkeit ihrer Bewohner. Wandmalereien mit Motiven aus der buddhistischen Literatur, fünfeckige Grundrisse und die regelmäßige Verwendung des echten Gewölbes machen diese Bauwerke in mehrfacher Hinsicht einzigartig. Zugleich war die Stadt ein kosmopolitisches Zentrum – und im 13. Jahrhundert wohl das Zentrum schlechthin – des Theravada-Buddhismus, an dem sich Mönche und Pilger aus ganz Asien trafen, um zu disputieren, Werke zu übersetzen oder an Ordinationsfeiern teilzunehmen.
Die Begegnung und Zusammenarbeit von Mönchen aus Myanmar, Sri Lanka, Kambodscha oder Nord- und Südindien setzt natürlich voraus, dass sich in einer gemeinsamen Sprache miteinander kommunizieren konnten. Diese lingua franca war ohne Zweifel Pali, die kanonische Sprache des Theravada – auch wenn die Beleg dafür recht dünn gesät sind. Einen (auch im Hinblick auf ihre große Anzahl) wichtigen, bisher aber nur wenig beachteten Hinweis auf Formen und Inhalte dieser transnationalen Kooperation in der buddhistischen Kosmopolis Bagan liefern die Pali-Inschriften, die im Mittelpunkt der Präsentation stehen sollen



Felix Girke, Universität Konstanz
 Nicht-Orte des Erinnerns. Das Gedenken an Aung San in Yangon

Abstract

Im Februar 2015 jährte sich der Geburtstag von Aung San zum hundertsten Mal. Seine Bedeutung für Myanmar ist kaum überzubewerten, doch bleiben viele Ambivalenzen. Houtman sprach von der „Aung San amnesia“ unter SLORC, und Aung San Suu Kyi wurde zur Ikone des Widerstands gegen eben diese Armee, die ihr Vater begründet hatte. Aung Sans Erbe (mit besonderem Fokus auf Yangon) ist entsprechend problematisch und dessen verschiedene materiellen Repräsentationen –Geldnoten, Briefmarken, Statuen, Souvenirs, sein Grab, seine Villa, sein Arbeitszimmer– haben eine unsichere Stellung im gegenwärtigen Myanmar. Doch ist das Gedenken an Aung San an diese Materialität geknüpft. Dabei tut sich ein Graben auf zwischen Orten und „Nicht“-Orten, denn die ikonischen Repräsentationen Aung Sans in Form von Fotos, T-Shirts etc. spielen heute eine besonders starke Rolle in der Gedenkpraxis, während die Stätte seines „Märtyrertods“ bis heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Dieser nicht-fassbare materielle lieu de mémoire beschränkt die Kraft anderer möglicher Gedenkorte, und stärkt das nicht räumlich gebundene Gedenken.



Sascha Helbardt, Uni Passau
 Between Old Government Control and New Market Pressure: Myanmar’s Media System in the Making

Abstract

After almost five decades of dictatorship and international isolation Myanmar’s media is currently undergoing a fundamental process of change. The state control over media, especially over the printed (?) press, has been partially lifted, and countless new actors in the media field are emerging. In addition to the still state-controlled (broadcasting) media, private media companies and independent journalists association are being set up and seek a vivid role in the emerging media landscape. Exile media are returning to the country and demand their legitimate positions as national media. However, the Ministry of Information continues a major role in this process, with its motives often being in the dark. Considering this as a process of contested institutionalization, paper will retrieve the more visible processes like the currently hotly debated new media laws, the formation of new media companies, especially daily newspapers.



Dagmar Hellmann-Rajanayagam, Uni Passau
 Wandernde Mythen

Abstract

Mit dem Buddhismus wanderten auch viele prä- und post-buddhistische Mythen von Indien nach Südostasien, oftmals über den Umweg Sri Lanka. Diese Mythen wurden von den einzelnen Ländern und Gesellschaften ganz unterschiedlich rezipiert, interpretiert und adaptiert. Der Vortrag wird dies am Beispiel des Mythos vom König und der Gerechtigkeitsglocke illustrieren. Dies ist eine sehr alte südindische Erzählung, die in diesem Fall aufzeigt, daß einmal ein König Gerechtigkeit über alles stellen muß, zum anderen auch der König der universalen Gerechtigkeit und Vergeltung (dharma) unterliegt. In Indien wurde der Mythos später religiös überformt und interpretiert. Über Sri Lanka, wo er eine weitere Bedeutungsänderung erfuhr, wanderte der Mythos nach Myanmar, Thailand und Kambodscha, wo er entsprechend den politischen Bedingungen adaptiert und reinterpetiert und z.T. auch neugeschrieben wurde. Diese Prozesse wird der Vortrag zeigen und analysieren.



Felix Hessler, Leibniz Universität Hannover
 Klosterschulen in Myanmar - Eine Analyse aktueller Transformationsprozesse

Abstract

Klöster als Orte der Vermittlung (auch) grundlegender weltlicher Bildung spielen in Birma/Myanmar seit Jahrhunderten eine Rolle. Auch nach der Einführung eines säkularen Bildungssystem durch die Kolonialregierung und der Beibehaltung dieses Systems im unabhängigen Birma/Myanmar bestehen Klosterschulen fort. Seit etwa 20 Jahren nehmen Klosterschulen vermehrt neue Rollen ein und bauen ihren Einflussbereich aus: Progressive Äbte, die oft mit internationalen Organisationen zusammenarbeiten, vernetzen sich landesweit, führen neue Unterrichtsmethoden ein und leiten sozial engagierte Projekte. Mit diesen Entwicklungen scheint eine gesellschaftliche Neuverortung (eines Teils) des Saṅgha einherzugehen, die sich u.a. in veränderten Beziehungsstrukturen zwischen Saṅgha – Laien – Staat und neuen monastischen Netzwerken äußert.
Mein Vortrag wird einen kurzen Überblick zur Geschichte und dem wechselnden Einfluss von Klosterschulen geben und rezente Entwicklungen, vorsichtige Thesen und offene Fragen, mit denen ich mich in meinem Promotionsprojekt beschäftige, vorstellen.



Laura Hornig, MPI für ethnologische Forschung, Halle
 Religion and moral economy in Myanmar

Abstract

In der Präsentation soll die geplante Feldforschung im Rahmen meiner Promotion vorgestellt werden. Meine Forschung ist Teil eines ERC-Projekts am Max Planck Institut für ethnologische Forschung. Der zugrundeliegende Leitgedanke des Projektes ist, die wirtschaftliche Sphäre als einen Komplex zu verstehen, der sich nicht auf rationales und profitmaximierendes Handeln von isolierten Einheiten (Individuen, Betrieben) reduzieren lässt sondern eingebettet ist in vielfältige soziale und politische Kontexte. In Anlehnung an Max Weber (und konkret den Buddhismus betreffend unter anderem an Melford Spiro und Charles Keyes), wird besonders auf die Rolle der Religion geachtet. In einer Zeit, in der von allen Seiten ökonomischer Fortschritt nach Myanmar gebracht werden soll und Entwicklungsprojekte das Land überschwemmen, ist es wichtig zu verstehen, welche ökonomischen Strategien bereits in den Gemeinschaften existieren und welche emischen Auffassungen und Vorstellungen diesen Strategien zugrunde liegen. Im Rahmen dieses Projektes werde ich ab August 2015 für ein Jahr in Haushalten und kleinen Familienbetrieben in Pathein forschen. Konkret werde ich zunächst praktische wirtschaftliche Vorgehensweisen untersuchen. Wie organisiert sich der Haushalt als ökonomische Einheit? Wie, wann und warum wird verdient, produziert, gespart, konsumiert und investiert? Welche Rolle spielen familiäre und andere soziale Netzwerke dabei? Wie gehen kleine Betriebe mit den sich wandelnden Bedingungen um? Verbunden mit diesen Fragen ist eine Reihe von Themenkomplexen, die in ihrer emischen Bedeutung verstanden werden sollen. Dazu zählen z.B. Geschlechterrollen, Korruption, Charity, Reziprozität, Eigentum und Besitz, Geld und Zeit. Ausgehend von den ethnographischen Daten wird versucht, den moral background des wirtschaftlichen Handelns, genauer zu verstehen. Das Thema meines Projekts berührt demnach Auffassungen zu Recht und Unrecht, Armut und Reichtum und die Frage danach, was es bedeutet, ein erfülltes Leben zu führen.



Anna Jüschke, Humboldt-Universität zu Berlin
 „Made in Myanmar (Burma)“. Informelle und prekäre Arbeit in der myanmarischen Textilindustrie

Rüdiger Korff, Uni Passau
 Sisyphus or can the university system be reformed?

Abstract

Formally, education was an attempt to spread nationalism and enhance national integration. Today, in a globalized world, education has to go beyond this, especially with regards to universities. In the ASEAN we have plans to bring the different university systems closer together. For foreign investment, the qualification of the labour force are an important factor, and education is an issue of the millennium development goals and thus object of several international NGO. As a result, educational reform today has not only to take into consideration internal or national issues and the diverging interests of associated groups, but as well regional and global demands, as well as policies and goals of international development organisations. In other words, educational reform proceeds through actor networks on national, regional and global levels.
Here we have a very interesting twist. One central argument of actor networks is that knowledge is produced within such actor networks, As they are on different levels, different knowledge is produced and it remains a question in how far it is the same on all levels, whether translations and transformations take place, or a de-coupling occurs. With regards to tertiary education this is of particular interest, as education is itself on one hand based on knowledge, i.e. education as transmission of knowledge, and at least in universities, knowledge is produced. As a result, we have highly distinct processes of knowledge and policy production. The question we would like to follow in this paper is in how far these are interlinked, articulated or rather independent from each other.



Phuong Letrong, Universität Bonn
 Zivilgesellschaft - Immer noch im Partikularen?

Abstract

Ein normatives Konzept der Zivilgesellschaft in Myanmar ist in hohem Maße unscharf. Die zivilgesellschaftliche Arena in Myanmar ist und bleibt sehr heterogen: Unterschiedliche Interessen, andauernde Konkurrenz um Mittel, Mangel an internen demokratischen Strukturen, Legitimationsprobleme u.v.m.. Die Akteure, zum Teil mit ambivalenten Handlungsstrategien, zeigen mittlerweile aber auch ein Potenzial, zunehmend eine wichtige Rolle im Demokratisierungsprozess zu spielen. In einem Klima, das zurzeit weitgehend vom Primat des Politischen bestimmt ist, und bei den komplizierten Bemühungen um den nationalen Friedensprozess, agiert die zivile Öffentlichkeit aber noch partikular beschränkt. Es herrscht hingegen ein politischer Streithandel um die Funktionsweise des im Wandel befindlichen politischen Systems. Der Vortrag geht auf kulturelle und strukturelle Widersprüche und Ambivalenzen ein, die damit verbunden sind, und der Frage nach, inwiefern diese die Handlungsmöglichkeiten der Akteure beeinflussen.



André Müller, Universität Zürich
 Sprache und Gesellschaft in Myanmar: Pronominalsysteme

Abstract

Zusammen mit Rachel Weymuth
Seit Anfang 2014 läuft am Institut für Vergleichende Sprachwissenschaft an der UZH das SNF-Projekt „The Greater Burma Zone – a transitional zone of languages and peoples“, das sich mit Myanmar und angrenzenden Gebieten aus linguistischer sowie historischer Perspektive befasst. Zwischen den dort ansässigen Ethnien, welche über 100 Sprachen aus 6 verschiedenen Sprachfamilien sprechen, gibt es vielfältigen Kontakt. Dieser hat sich im Laufe der Geschichte auf die Sprachen der Region ausgewirkt, und macht sich teils im Lexikon, teils in der Phonologie, aber auch in der Grammatik der betreffenden Sprachen bemerkbar. Zur Erforschung dieser Phänomene erstellen wir u.a. Datenbanken und Korpora zu ausgewählten Sprachen der wichtigsten drei Sprachfamilien (Sino-Tibetisch, Austroasiatisch und Tai-Kadai). Dabei verwenden wir neben linguistischen Daten auch historische Quellen, um so das Gesamtbild der Sprachkontaktsituation zu vervollständigen.
André Müller, Doktorand im Projekt, konzentriert sich hierbei hauptsächlich auf die beiden Sprachgemeinschaften der Kachin und der Shan im Norden des Landes, deren Mitglieder meist mehrsprachig sind.



Johanna Neumann, Humboldt Universität Berlin
 Myanmar Zat Thabin and Society

Abstract

Zatpwe is one of the two main performing art genres in Myanmar. It is performed during nights for about ten hours without a break on temporary stages by traveling troupes of about 50 people.
Zatpwe – as a cultural presentation- provides an insight into Myanmar society. The aim of my dissertation project is to examine how zatpwe can be used as a lens through which Myanmar society becomes visible.
Concepts, norms and values that structure Myanmar society are not simply mirrored in zatpwe. Zatpwe does not only reproduce certain norms and values but is at the same time also object to the value systems and concepts of the society it is performed in. The audience, the reason of performance, the process of hiring a zat troupe, the social background of the troupe members and the labels and stereotypes attached to zatpwe, zat troupes and performers all have an influence on how society becomes visible in zatpwe.
So in order to be able to see Myanmar society by using the lens of zatpwe it is necessary to first understand how the lens works.
A first step to do so was the first of two planned field trips, from October 2014 to April 2015. My presentation in Zürich will focus on introducing zatpwe and its context as I came to understand it during this field trip.



Friedelind Riedel, Georg-August Universität Göttingen
 Rituale als Atmosphären. Musik in Besessenheitspraktiken Süd Myanmars

Abstract

Nat Pwes in der Region um Dawei (Tanintharyi Division) beginnen und enden mit dem durchdringenden und ohrenbetäubenden Klang von verstärkter Musik. Mythische Figuren wie etwa U Shin Gyi erscheinen mit dem Erschallen der Musik und das Verschwinden der Geister verläuft synchron zum Verstummen der Instrumente. In von der Musik aufgespannter und stimmungsgeladener Dauer verschmelzen dichte Rhythmen mit süßem Parfümduft und bunten Kostümen. Verzerrte Klänge des amplifizierten Hsaing Waing Ensembles stiften dynamische Bewegungsmomente die radikale Daseinsvollzüge ermöglichen: Menschen werden zu Tieren. Menschen werden zu Nats. Ein Erfassen der Symbole und Diskurse dieser Rituale verfehlt strukturell ein entscheidendes Moment der Ritualsituation: die ganzheitliche Atmosphäre welche das Geschehen umspannt und welche nicht an einzelnen Dingen und Bedeutungen festzumachen ist (Schmitz 2009, Griffero 2014). Mit dem Begriff der Atmosphäre (Schmitz 2009) beabsichtige ich das affektiv Dichte und das Temporale der vielfältigen Daseinsvollzüge in Situationen von Besessenheit in den Vordergrund zu rücken. Ausgehend von der Beobachtung, dass Musik als Klang und Vibration immer bereits schon die Hörenden leiblich affiziert bevor diese ihre Identität behaupten, kann vor das Apriori menschlicher Subjektivität zurückgegangen und nach den Prozessen und Dynamiken gefragt werden, welche die verschiedenen Seinsweisen in Nat Pwes bedingen: Menschsein, Natsein, Tiersein. In meinem Vortrag werde ich das noch im Beginn stahende Forschungsprojekt zu Musik in Nat Pwes skizzieren und mögliche Fragehorizonte und methodologische Herausforderungen diskutieren.



Esther Tenberg, Universität Bonn
 Being Tomboy in Yangon – Gesellschaft, Familie und Identität

Abstract

Gender und Sexualität sind grundlegende Aspekte zum Verstehen von gesellschaftlichen Beziehungen, Normen, Werten und Verhalten. Auch dieser Bereich ist in Myanmar bisher „unterforscht“. In diesem Vortrag werden Fragen gestellt nach Selbstverständnis, Verhältnis zur Gesellschaft und sprachlichen Mitteln der positiven Identitätsbeschreibung von Tomboys, einer Gender-Minorität in Myanmar. Endgültige Aussagen sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht lieferbar, dennoch werden erste Ergebnisse zur sozialen Konstruktion von Gender und Sexualität in Myanmar, dem Rollenbild und dem Verhältnis von Tomboys zur Mehrheitsgesellschaft präsentiert.



Rachel Weymuth, Universität Zürich
 Sprache und Gesellschaft in Myanmar: Pronominalsysteme

Abstract

Zusammen mit André Müller
Seit Anfang 2014 läuft am Institut für Vergleichende Sprachwissenschaft an der UZH das SNF-Projekt „The Greater Burma Zone – a transitional zone of languages and peoples“, das sich mit Myanmar und angrenzenden Gebieten aus linguistischer sowie historischer Perspektive befasst. Zwischen den dort ansässigen Ethnien, welche über 100 Sprachen aus 6 verschiedenen Sprachfamilien sprechen, gibt es vielfältigen Kontakt. Dieser hat sich im Laufe der Geschichte auf die Sprachen der Region ausgewirkt, und macht sich teils im Lexikon, teils in der Phonologie, aber auch in der Grammatik der betreffenden Sprachen bemerkbar. Zur Erforschung dieser Phänomene erstellen wir u.a. Datenbanken und Korpora zu ausgewählten Sprachen der wichtigsten drei Sprachfamilien (Sino-Tibetisch, Austroasiatisch und Tai-Kadai). Dabei verwenden wir neben linguistischen Daten auch historische Quellen, um so das Gesamtbild der Sprachkontaktsituation zu vervollständigen.
Rachel Weymuth plant, für ihre Doktorarbeit eine Grammatik des Rumai, einer Varietät des Palaung, zu erstellen. Rumai wird im Shan-Staat und in angrenzenden Gebieten gesprochen und steht hauptsächlich in Kontakt mit Burmesisch und Shan.



Georg Winterberger, Universität Zürich
 Strategien zur Existenzsicherung in Myanmar

Abstract

In der geplanten Forschung sollen die Strategien zur Existenzsicherung „livelihood strategies“ in Mawlamyine erforscht werden. Diese Stadt ist aufgrund der Vielfältigkeit von Möglichkeiten der Einkommensgenerierung und Existenzsicherung für dieses Forschungsprojekt prädestiniert. Denn die Öffnung des Landes ist für die Bevölkerung vor allem im ökonomischen Bereich bemerkbar. Dabei ist vor allem die Innenperspektive der Akteure von Bedeutung. Nur so können die zu beobachtenden Handlungen bezüglich der Existenzsicherung richtig interpretiert werden. Diese Interpretationen wiederum sind Voraussetzung für das Verstehen der Strategien, die die Akteure anwenden. Die Forschung weist eine zweifache Relevanz auf: Für die akademische Welt würde hier eine bestehende Lücke geschlossen werden, die mit Myanmar aufgrund der bisherigen politischen Lage besteht. Ausserdem kann Akteuren in der Entwicklungszusammenarbeit mit dieser Forschung die Grundlagen für weitere Strategien geliefert werden.



Hans-Bernd Zöllner
 Zwischen Erwählung und Westminster. Die Quellen von Aung San Suu Kyis Demokratieverständnis.

Abstract

Der erste große öffentliche Auftritt Aung San Suu Kyis im August 1988 stand unter dem Motto “Demokratie”, womit die Wahrnehmung der Politik Myanmars vor allem im „demokratischen Westen“ maßgeblich geprägt wurde. Sie berief sich 1988 und später auf ihren Vater, den früh ermordeten Nationalhelden. Der hatte die britische Version von Demokratie nach Kräften bekämpft und einen dezidiert birmanischen Weg zur Demokratie eingefordert. Zur Begründung eines solchen birmanischen Weges griff die Tochter auf einen alten buddhistischen Text zurück, der von der Urwahl des ersten großen Präsidenten, des Maha-Sammata, berichtet. Die Aufgabe dieses Großen Erwählten war es in erster Linie, Gesetz und Ordnung zu garantieren. Er war, so der Text, “schöner, ansehnlicher, anmutiger, wirkmächtiger” und vor allem tugendhafter als alle anderen und wurde per Akklamation auf Lebenszeit für sein Amt bestimmt, ein Präsident ohne Opposition also. Als Aung San Suu Kyi, mittlerweile seit kurzem selbst Parlamentsabgeordnete, dann im Juni 2012 eine Rede vor beiden Häusern des britischen Parlaments hielt, beklagte sie, dass es im Parlament in Naypyidaw keine Zwischenrufe gebe wie in Westminster und pries das britische Modell von Demokratie als Vorbild für Birma, das noch Hilfe brauche, um sich zu einer „wahren“ Demokratie zu entwickeln. Die nächsten Wahlen von 2015 geben der auch akademisch interessanten Frage, wie sich diese verschiedenen Demokratieverständnisse zueinander verhalten, eine besondere Aktualität. Der Vortrag wird die These entfalten, dass die “Demokratie-Ikone” hier in einem Dilemma steckt, das auf ihren Vater zurück geht.